Freitag, 12. August 2011

Shopping in Ecuador?


Sollte vielleicht jemand, mich eingeschlossen, im Voraus angenommen haben, in Ecuador würde Mode klein geschrieben, so hat er sich deftig geschnitten. Natürlich, in einigen Gebieten des Landes geht es vorrangig ums Überleben und in der Gegend, in der ich mich vorgestern mit einer Schweizerin vom Sprachkurs rumgetrieben hab interessiert sich wohl keiner für die Fashionweek in Mailand, Paris und Berlin.
(Ich möchte kurz erwähnen, dass dieser Tag ein ziemlicher Kulturschock für mich war, aber darum soll es in diesem Post nicht gehen.)
Nur einen Tag später entdeckte ich auf meinem Streifzug durch die Stadt allerdings etwas ganz anderes: Ein riesiges Einkaufszentrum namens "Quicentro" sprang aus dem Grund und ich könnte schwören, es hat mich auch ein wenig angelächelt.
Natürlich konnte ich nicht daran vorbeigehen und habe mir also das Ganze mal etwas genauer angeschaut...
Ziemlich baff war ich schon beim reingehen, diese Zentrum ist nicht nur größer, als alles was ich bisher überhaupt in Alemania und anderswo gesehen habe, es ist auch noch topmodern und richtig chic. Noch ein wenig verwunderter habe ich wohl geguckt, als ich kurz darauf an Bulgari, Swarovski und vorbei lief. Man mag mich naiv nennen, natürlich gibt es auch in Ecuador reiche Leute, aber das hatte ich nicht erwartet: Mit meinen Wanderschuhen, zerschlissener Jeans und Top + karierter Bluse kam ich mir nicht nur extrem schäbig vor, ich habe mich nichtmal getraut in alle Läden reinzugehen.
Tat ich es dann doch, wurde ich teilweise herablassend begutachten (oder hab ich mir das eingebildet?), teilweise haben mich die scheinbar hiesigen Sitten auch sehr verwundert. Nachdem ich mir in einem heimischen, sehr bezahlbaren Lädchen ein Kleidchen zugelegt hatte, lief ich stolz mit meiner eingetüteten beute umher - bis ich den nächsten Laden betrat: Sofort wurde mir meine Tüte quasi aus der Hans gerissen und mir stattdessen ein kleines Schild mit einer Nummer in die Hand gedrückt. Ich weiß gar nicht genau, ob mir damit das Einkaufen erleichtert oder das Klauen erschwert werden sollte. Abholen konnte ich meine Tüte jedenfalls ca. 2min später, als ich merkte, dass dieser Laden mir zu teuer war. Das Ganze fühlte sich demnach etwas lächerlich an und ich wäre wirklich froh gewesen, diese Chose wäre eher eine Option als ein Zwang gewesen. Naja, wie sagt man so schön? Andere Länder, andere Sitten.
Etwas pikiert war ich jedoch als ich mir in einem anderen Lädchen einen Pullover anschaute (ich muss sagen, ich hab die Temperaturen abends wohl etwas überschätzt...). Ich sah auf den Preis (60$ - zu teuer!) und verrückte dabei das aufgefaltete Teil wohl um einen halben Zentimeter, anyway, als ich mich zum nächsten Regal bewegte, merkte ich tatsächlich wie die Verkäuferin hinter mir eilig den Pullover wieder an seine Position rückte.
-.-
In diesem Laden habe ich also nichts mehr angefasst und mich ziemlich blöde gefühlt...
Letztendlich habe ich außer dem bereits erwähnten Kleidchen nichts mehr gekauft, mir aber abschließend etwas Sushi in der Fressoase gegönnt - lecker!
Mein persönliches Feedback fällt also eher mager aus: Essen super, Personal ganz ganz unfreundlich, Klamotten viel zu teuer.
Da lob ich mir doch den Indigomarkt auf den ich morgen früh fahre: Otavalo!

Liefs, isa

PS: Ein schönes Ereignis hatte ich allerdings: In einem der Läden, ich glaube es war Esprit + Americano, hat mich der Verkäufer, ein helläugiger, hübscher Ecuadorianer erst etwas schüchtern angelächelt und dann seine Mit-verkäuferin zu mir geschickt, die dann in ganz ungelenkem Englisch zu mir sagte: "He (sie zeigte auf ihn) thinks you're very beautiful! Very beautiful, he thinks." Mich hat das Ganze allerdings so verlegen gemacht, dass ich nur "Gracias" in seine Richtung stammelte und dann, nach ein paar alibi-mäßigen "Ich-schau-hier-voll-interessiert-rum" Bewegungen, eilig den Laden verließ. Flirten hab ich wohl verlernt.

Montag, 8. August 2011

Bilderflut und 1. Tag Spanischkurs

Blick von der "La Basilica", Quito

Heute habe ich mal eine Bilderflut für euch von meinem gestrigen Tag in der Altstadt. Eigentlich habe ich auch ganz viele Videos gemacht, aber bis der Zusammenschnitt dieser auf youtube hochgeladen ist, kann es noch ungefähr 300 Minuten dauern... einer Wahsinnsinternetverbindung sei Dank.
Nach meinem ersten Tag in der Sprachschule fühle ich mich aber sowieso etwas wortkarg. Ich hatte 4 Stunden Unterricht in einem ca. 4m² großen Raum mit meinem "Privatlehrer" (ach was klingt das herrlich versnobt) Manuél. Er ist leider kein junger, knackiger Spanier, wie der Name versprechen könnte, sondern ungefähr 50, mit einem vernarbten Gesicht, aber dafür einem symathischen Lächeln, dass er oft und gern zeigt. Sein Englisch ist eher mäßig, weshalb auch gern mal pantomimisch ein Raubüberfall oder ein Regemschirm dargestellt wird. Den Rest der Zeit redet er auf Spanisch auf mich ein und ich bin wahnsinnig froh, in der Schule Latein gehabt zu haben - tatsächlich erweist sich dieses als großer Nutzen!
Was mich gefreut hat ist, dass wir mit dem Sprachkurs auch verschiedene (Gratis)aktivitäten unternehmen, wie zum Beispiel Salsaunterricht, Kochstunden und Ausflüge zum größten Indigomarkt in der Gegend.
Was mich nicht gefreut hat, ist dass die Spanischschule im quasi anderen Teil der Stadt liegt, was ein 10minütige Busfahrt erfordert. Toll, und dass nachdem mir so ungefähr jeder erzählt hat, wie gefährlich es in den Bussen ist: Größtenteils wegen der Fahrweise der Chauffeure und den zahlreichen Taschendieben...

grandioses Frühstück im "Coffe Tree" im Stadtteil "La Mariscal"
(mit Kaffee und O-Saft kostet das Frühstück ca. 4,50$, also ca. 3,20€
La Basilica
Die Madonna von Quito auf dem El Panecillo, dem "kleinen Brötchen"
Plaza Grande
Straßenmalerei auf einem Stadtfest in der Altstadt

Typisches Essen in Quito: Reis, Kichererbsenbrei und Fisch, dazu gebakkene Bananen
Funfact: Ausgerechnet im holländischen Wikipediaartikel wird der "El Panecillo", der auf 3016m über dem Meeresspiegel liegt als "heuvel" als Hügel bezeichnet...

Sonntag, 7. August 2011

Videotagebuch: Hostel



Ein kleines Video am ersten Morgen meiner Ankunft. Voller Stolz präsentiere ich euch mein Hostel :)

Samstag, 6. August 2011

Correria por Quito


Mein erster Tag in Quito wurde damit verbracht die Stadt ein wenig zu erkunden. Ganz früh am Samstagmorgen machte ich mich auf in die Stadt, um auch ja nichts zu verpassen. Hätte ich mir sparen können: Von 8Uhr bis mindestens 10Uhr ist nichts los in der Hauptstadt Ecuadors. Die Ecuadorianer sind wohl Landschläfer und finden es völlig okay ihre Bauchläden und Geschäfte erst in der Mittagszeit zu präsentieren. Mir solls recht sein, ich steh ja sonst doch nie so früh auf.
Die Ausgestorbenheit der morgendlichen Stadt führte jedoch dazu, dass ich wirklich jedem Menschen, der mir entgegenkam aufs Bitterste misstraute. Einmal lief ein Mann scharf in meine Richtung und ich sprang quasi zur Seite und drückte meine Tasche an mich. Der Arme wollte eigentlich nur in einen Hauseingang hinter mir und kommentierte diese Situation mit erbostem vor sich hin Schimpfen - ich glaube er hat mich als "loco" - "verrückt" bezeichnet. Ich gelobte mir Besserung und schlenderte weiter.
Nachdem ich um 11Uhr ein köstliches, spätes Frühstück in einem Café zu mir nahm (ein riesiger Teller mit Milch, Müsli und etlichen Früchten überstreut mit Kokosraspeln und dazu Milchkaffee und Orangensaft) wollte ich langsam wieder in Richtung Hostel zurück: Ich musste ja noch Internet regeln und herausfinden, wo der nächste Supermarkt war.
Am Park direkt vorm Hostel stieß ich auf einen wunderschönen Indigomarkt mit schönen Ständen. Hab mir direkt geschworen, hier später noch einmal ein paar hübsche Dekoartikel und Accessoires zu erstehen.
Internet hatte sich im Hostel schnell regeln lassen und ein uneingeschränktes WLan wird mich jetzt durch meinen Aufenthalt hier begleiten.

Über den Wolken...

So, hier die Fortsetzung zu meinem letzten Post über meine Hinreise nach Quito in Ecuador.
Nachdem ich mich von meinem Schutzengel W. verabschiedet hatte, blieben mir noch 5 Stunden im Flughafen in Atalnta. Dazu muss ich noch kurz erwähnen, dass es schon ein irres Gefühl war, so plötzlich in Amerika zu sein. Die Begrüßung durchs Sicherheitspersonal war allerdings nicht besonders herzlich: Bulldoggenhafte, grummelig verzerrte Gesichter blickten einem entgegen. Die Leute taten mir fast Leid, denn wie anstrengend muss ein Leben sein, wenn man immer bloß misstrauisch ist.
Leid tat mir auch die vermummte Familie am Sicherheitscheck. Ich bezweifle ja fast, dass die ihr Reiseziel jemals erreichen..
Die Zeit in Atlanta vertrieb ich mir mit Bummeln durch den Flughafen und einer reichhaltigen Mahlzeit bei McDonalds. Da ich noch so viel Zeit übrig hatte und ich mich im Duty-Free Shop bereits heimlich komplett neu geschminkt und parfümiert hatte, dachte ich: Zeit für Wein. Hab mich also an eine gesellige runde Bar gesetzt und genüsslich einen Merlot mit dazu einer Portion unglaublich köstlicher Oliven verschnabuliert.
Auf zum Gate.
Und hier änderte sich die Atmosphäre schlagartig. Statt der muffigen Amerikaner fand ich mich jetzt umgeben von freundlich schauenden Ecuadorianern. Sie nickten mir teils sogar zu, als wollten sie sagen: Schön, dass du mal bei uns vorbeischaust. Hier fiel mir auch wieder ein, wie sehr das Land doch durch seine Indigokultur geprägt ist: Gastfreundschaft und Gemeinschaft sind höchstes Gut.
Wieder ging es durch einen Sicherheitscheck und ab ins Flugzeug. Dort hieß es erstmal warten auf den Piloten, der hatte sich verspätet, was mein Vertrauen in diesen Flug nicht wirklich steigerte. Über die Landung über Quito hatte ich schon Horrorgeschichten gehört: Das Flugzeug fliegt nur wenige Meter über den Dächern der Stadt, die Landebahn ist eigentlich viel zu kurz, manche Fluggesellschaften fliegen den Flughafen mitten in der Stadt gar nicht mehr an und und und
Ich muss aber sagen, dass davon wirklich... alles wahr ist! Den größten Teil des Fluges hatte ich ja verschlafen, da das langweilige, amerikanische Ehepaar mich nicht wirklich davon abhielt (der arme Mann probierte immer wieder mit seiner Frau über sein altenglisches, historisches Buch zu sprechen, doch sie war leider tief in ihren Schnepfenroman vertieft..). Als das Flugzeug jedoch zur Landung ansetzte, war an Schlafen nicht mehr zu denken.
Wir befanden uns wirklich mitten über den Dächern der Stadt und es ruckelte und wuckelte wo es nur konnte. Zeitweise dachte ich aber auch, das Flugzeug ist stehengeblieben und fällt jetzt - plumps - auf die Erde runter. Irgendwie schaffte der Pilot es noch, die Maschine zu landen und legte dabei eine Vollbremsung hin. Heidewitzka! Bin ich froh, dass ich noch lebe!

Estoy precisamente acaba de llegar a Quito!


Ich bin da, ich bin da, ich bin da.
Angekommen in Quito, Ecuador.
Gestern Morgen ging es mit dem Auto um 4Uhr nachts nach Düsseldorf zum Flughafen. Nachdem ich dort meine Familie verabschiedet hatte - ja mit ein paar Tränchen - gings ab in den Flug nach Atalnta.
Ich muss wohl wahnsinnig vertrauensvoll aussehen, denn mir wurde direkt ein Sitz am Notausgang angeboten:, was so viel bedeutet wie: Bei Absturz muss ich alle Passagiere da rausbugsieren nachdem ich die Tür geöffnet habe - uuuuund: Mehr Beinfreiheit! Jippie!
Es dauerte ein Weilchen bis ich einen Sitznachbarn bekam: W., ich schätze 19 Jahre alt, da Abi '12, dunkelhaarig, nettes Lachen. Auf dem 9stündigen Flug haben wir uns prächtig unterhalten und uns ein wenig kennengelernt. W. war auf dem Weg zu seiner ehemaligen Gastfamilie in Columbia - ganz witzig, denn im Nachhinein fiel mir auf, dass die Straße in der ich in Quito wohne Via Columbia heißt.
Und das war nicht der einzige Zufall. Als einige Turbulenzen aufkamen vertraute ich W. an, dass ins nichts passieren konnte, da ich von meinen Eltern einen Schutzengelflügel an einer Kette trug, von meiner Oma einen Fingerrosenkranz bekommen hatte, von meiner Freundin A. einen Amethyst und von meiner Freundin M. eine selbst bebastelte Kette mit Anhänger. Außerdem hatten mir sowohl Omas, Tanten und Onkel als auch Eltern und Geschwister einen Schutzengel gewünscht.
W. schien ganz froh, über so viel Beistand von oben. Im Nachhinein verwundert mich das fast, denn als er mir irgendwann seinen Namen aufschrieb, sodass wir uns mal bei facebook schreiben konnten passte ich zwar nicht auf, sah jedoch später, dass ich meinen Schutzengel die ganze Zeit an der Seite gehabt hatte: "W. Engel" stand in meinerm kleinen Notizbüchlein...



view from my hostel roofterrace in quito, ecuador