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Montag, 19. September 2011

Das Glück der Erde...


...liegt auf dem Rücken der Pferde. Das dachten wir uns zumindest, als Katha und ich am letzten Wochenende einen Reitausflug auf einem Vulkan wagten.
Nach oben ging's erstmal mit dem Teleferico, einer Seilbahn, die uns innerhalb von 10 Minuten auf 4600m Höhe brachte. Dort angekommen suchten wir direkt die Pferdestation - natürlich nicht ohne vorher einen Blick auf ganz Quito werfen zu können und zu mutmaßen, wo sich ungefähr unser Hostel befindet.
Die Suche nach den Galoppern gestaltete sich jedoch schwerer als erwartet: Irreführende Wegweise, die einen schon nach 10 Metern in tiefe Zweifel stürzten und ein recht unwegsames Gelände - noch dazu die Höhe(!) - erschwerten unser Vorgehen enorm und so ist es kein Wunder, dass wir zuerst einmal eine knappe Stunde im Kreis liefen, um schlussendlich wieder bei der Bergstation anzukommen, an der wir gestartet waren.
So weit, so schlecht - wir mussten um Hilfe fragen.
Nachdem uns zwei kleine Jungs mit einem fahrigen in die Landschaft weisen nicht wirklich geholfen hatten, konnte uns ein Angestellter des Teleférico glücklicherweise den Weg weisen: Wir waren von Anfang an falsch gelaufen...
Endlich bei den Pferdchen angekommen wurden wir ziemlich schnell draufgesetzt, mit einem warmen Poncho versorgt und los ging's. Katha, die mehr Reiterfahrung als ich hat, wurde dann auch mal direkt allein auf ihrem "Phosphorito" gelassen, nicht natürlich ohne ihr vorher aus einem Seil behelfsmäßig Zügel zu basteln - wahnsinnig professionell. Ihr könnt euch vorstellen: Mein Vetrauen in diesen Ritt steig enorm.
Auch als Katha dann seelenruhig fragte, ob wir auch galoppieren würden, fühlte ich mich völlig entspannt. Nicht. Es hatte wohl nichts geholfen, dass ich ihr vorher ausgiebig erklärt hatte, dass ich in meinem Leben nur zweimal wirklich geritten war: Beide Male auf eingezäuntem Sand, beide Male mit Anleitung meiner äußerst reiterfahrenen besten Freundin. Und trotzdem bin ich einmal übel runtergefallen.
Meine Einwände wurden ignoriert und so "durfte" auch ich nach ungefähr 100m allein reiten - allerdings ohne behilfsmäßige Zügel, sondern einfach mit einem seitlich am Halfter befestigten Seil in der Hand. Herrgott...
Mithilfe aller Reittipps, die ich jemals bekommen hatte und den neuen die ich von Katha bekam, schaffte ich zuerst das Pferd zum Traben zu bringen (was sich als einfach gestaltete, es lief dem Pferd unseres Guides sowieso fröhlich hinterher), dann merkte ich jedoch, dass das ziemlich anstrengend wurde. Ich wollte galoppieren.. was sich als schwierig gestaltete, weshalb ich zuerst einen leichten Trab ritt. Als ich meine Ramona dann endlich dazu bewegen konnte, zu galoppieren, mochte sie gar nicht mehr aufhören.
Ein irres Gefühl, so ganz allein durch ein völlig unwegsames, wunderschönes Gelände zu galoppieren. Ich fühlte mich frei und Ramona sich auch - etwas zu frei, denn auf einmal wollte sie wohl unbedingt den Guide einholen und galoppierte davon. Irgendwie schaffte es selbiger noch, die Gute an ihrem provisorischen Seil zu packen und bewahrte mich somit vor einem Sturz.
Dieser folgte jedoch ungefähr 20m vom Stall der Tiere entfernt, als die arme Ramona umknickte und vorn über fiel. Ich rutscht mit, vor allem um ihr einen Genickbruch zu erstarren. Der arme Guide hatte glaub ich mehr Angst, dass ich ihn verklagen könnte oder ähnliches, statt sich meine Stute mal genau anzusehen. Naja, sie lief kurz drauf wieder fröhlich in ihr Gehege und wurde von mir vorher mit einigen Streicheleinheiten versorgt.
Der (halbe) Tag war wirklich mehr als gelungen, trotz des kleinen Falls und am Ende blieb noch genug Zeit mit Oliver zusammen im Hostel eine DVD zu schauen. Solche Tage lob ich mir.. und frage mich gleichzeitig, warum ich eigentlich weder in Holland noch in Deutschland mehr dieser Tagesausflüge unternehme. Ist ja nicht so, als würde man schon alles um sich herum kennen, oder?


Katha im Teleferico
Idyllischer Bachlauf auf dem Pichincha

Marslandschaft

Die Pferde
Katha fügt sich mit ihrem Poncho perfekt in die Landschaft ein

ich seh selbst immernoch aus wie ein bleicher Hippie...

Nein, das ist kein Buckel, nur ein Rucksack
Ramona


nicht nur drei Pferde, auch drei Hunde begleiteten uns auf unserem Ausflug

traumhafter Blick auf Quito


vom Guide inszeniertes Fotoshooting - der wusste genau, wie man die Pferdchen dazu bringt den Kopf hoch zu halten :)

ganz verwegen von unten durch die Grashalme geknipst - der Schlingel

Und Nahaufnahme :)

Sonntag, 4. September 2011

Die Geschichte von Däumelinchens Nachbar

Nur wenige Tage nach meiner Clownbegegnung (ihr erinnert euch?), nämlich am Montag, machte ich eine weitere... sagen wir mal "interessante" Begegnung...
Ich musste noch beim Ministerium vorbei, um mein Visum endgültig registrieren zu lassen. Dort angekommen stellte ich mich in die recht kurze Reihe am "Helpdesk" an und wartete... bis mir wieder glühend heiß einfiel, dass ich eine Papierhülle für meine Dokumente besorgen sollte - das hatte mir der Mann am Freitag extra gesagt. Ich also wieder raus aus dem Ministerium und ab in die nächste "Papeleria" - wie ich finde ein wunderschönes Wort.
Nur ca. 5 Minuten später war ich wieder in der Reihe angelangt, doch diese 5 Minuten waren verheerend...
Nachdem ein Kunde abgehandelt wurde, verschwand die Hilfe-Dame ohne weitere Erklärungen in einen Hinterraum. Wir Wartenden wurden in gewisser Weise unserem Schicksal überlassen, und das meine sollte sich gleich wenden..
Hinter mir in die Reihe stellte sich ein Mann. Ich sah ihn zuerst nicht richtig an und bemerkte nur, dass er klein und dicklich war und seine letzten, übriggebliebenen Haare schmierig über seinen Glatzkopf gekämmt hatte. Den wiederum konnte ich gut sehen, ich war ja ungefähr anderthalb Köpfe größer als er.
Der kleine Mann war mir egal, bis er anfing unruhig zu werden. Er wippte von einen Fuß auf den anderen und machte beinah hektische Bewegungen. Dabei lugte er immer wieder hinter meinem Rücken vorbei um einen Blick aufs Helpdesk zu erhaschen. Man muss dazu sagen, dass vor mir nur noch drei weitere Personen standen, der Tisch war also in greifbarer Nähe, was es für mich noch unbegreiflicher machte, dass der kleine Mann so unruhig hinter mir rumhampelte, statt einen ordentlichen Schritt zur Seite zu machen um richtig gucken zu können.
Ich wollte ihn mit einen strengen Blick zur Vernunft bringen und drehte mich um. Doch irgendwie traf es mich wie der Blitz: Der Mann sah einfach ganz genauso aus wie ein Maulwurf. Nicht nur seine Statur passte sehr gut zu einem Maulwurf, auch sein Gesicht, mit den kleinen Äuglein und der spitzen Nase war mehr als maulwurfähnlich.
Ich taufte ihn sogleich Maulwurfmann und fand ihn nun noch etwas beunruhigender als zuvor. In meinem Kopf malte ich mir aus, wie unglaublich seltsam es wäre, wenn der kleine Maulwurfmann nun auch noch große Maulwurfsgrabehände hätte, mit kräftigen Schaufelfingern.
Ich kicherte vor mich hin, war mir aber auch sicher, dass ich mich doch zumindest kurz eines besseren belehren sollte, also warf ich einen Blick auf seine Hände und es traf mich wie der Schlag. Ich möchte kurz erwähnen, dass ich mir sicher bin, dass meine Fantasie nicht mit mir durchgegangen ist, nein, der kleine Mann hatte wirklich und wahrhaftig Maulwurfsgrabehände! An seinen Fingernägeln klebte sogar Erde!
Okay, hier ging meine Fantasie vielleicht doch etwas mit mir durch, denn ich stellte mir vor, wie der Maulwurfmann, der mir ebenso unsympathisch war wie der schwarze Samtpelz in Hans Christian Andersens Däumelinchen, in seiner unterirdischen Maulwurfshöhle wohl ein neues Zimmer in die Erde schabte, um sich bald auch ein kleines Däumelinchen über den Winter als Gesellschaft zu halten.
Ich war mir sicher, ich würde nicht dieses Däumelinchen sein und so beschloss ich mich noch ein bisschen näher an die Frau vor mir zu stellen, um Abstand zwischen mir und dem Maulwurfmann aufzubauen.
Doch vor mir stand gar keine Frau mehr und wie doll bin ich zusammengezuckt als Maulwurfmann mich an der Schulter antippte und mit freundlichstem Maulwurfjargon sagte, ich wäre jetzt an der Reihe. Das war zu viel für mich - ich glaube ich bin sogar ein bisschen nach vorn gesprungen und habe ihm sicher nicht freundlichen gedankt.

Ach ja, vielleicht war Maulwurfmann in Wirklichkeit doch nur ein netter, kleiner Mann... aber ich könnte doch schwören, dass er mindestens einmal an mir geschnuppert hat...

Dienstag, 30. August 2011

Impressionen: Quito


Es ist kaum zu glauben, aber beinah vier Wochen bin ich jetzt schon hier, in Quito, der Landeshauptstadt von Ecuador. Wahnsinn.
So langsam sollte ich mich also ein wenig an Land, Leben und Leute gewöhnt haben - aber weit gefehlt! Ich habe das Gefühl, ich werde jeden Tag aufs Neue überrascht.

Am letzten Freitag zum Beispiel machte ich mich mit Oliver, einem Ecuadorianer, Kim, einer Holländerin und Olivia, einer Engländerin (allesamt aus dem Hostel) auf um mal einen anderen Teil des Nachtlebens zu entdecken: Die Altstadt.
Hatten wir uns doch bisher eher im, ich möchte fast sagen "Ballermann-mäßigen", touristischen Partyviertel "Mariscal" rumgetrieben, zog es uns jetzt ins romantischere und vor allem weniger touristenbesiedelte "Centro Historico".
Dort angekommen verzauberte uns direkt der Charme der kleinen Gassen. Im schwummerig warmen Licht leuchtete uns "La Ronda" entgegen und eine besondere Atmosphäre machte sich breit. Stand an der einen Ecke ein Gitarre-spielender Papa mit seiner flötenden Tochter, musste man an der nächsten Ecke vorsichtig sein, nicht von Einrad-fahrenden Artisten überrollt zu werden. Auch die Raupe "Absolem" aus Alice im Wunderland war vertreten und für ein paar Cents begrüßte sie einen freundlich mit einer ihrer 8 Hände und ließ Seifenblase aus ihrer Pfeife rauchen.
Ein Schrecken fuhr mir jedoch durch die Glieder als plötzlich ein weiß geschminkter Clown vor mir stand und mit einer merkwürdig pfeifenden, hohen Stimme auf mich einredete und wild gestikulierte. Ich weiß nicht ob es daran war, dass ich nicht verstand, was er sagte, oder dass ich mir einfach nicht erklären konnte, wie diese Laute aus seinem Mund erzeugt wurden, ich gestehe jedenfalls, dass ich schmählich Reißaus nahm...
Ich habe nie verstanden, warum Menschen Angst vor Clowns haben, doch nach dieser Nacht werde ich sicherlich keinem einzigen mehr vertrauen. Dieser gemeine Clown fand es nämlich äußerst spaßig, mir noch 5 Minuten hinterherzujagen. Erst als meine lieben vier Begleiter bemerkten, dass ich wohl wirklich Angst hatte, stellten sie sich schützend vor mich. Wir haben uns danach sicherlich 15 Minuten land nicht mehr eingekriegt. Ich musste so fürchterlich lachen und war immernoch ziemlich aufgewühlt, genau wie die Anderen. Dem Pantomimen, der mir kurz danach über den Weg lief fand ich jedenfalls sehr angenehm, in seiner unaufdringlich schweigenden Art.

So, diese kleine Geschichte habe ich euch eingebettet in ein paar fotografische Eindrücke von Quito.

Liefs, Isabel









Donnerstag, 25. August 2011

Quito riecht...

Ja ja, Panama riecht von oben bis unten nach Bananen, spätestens seit Janosch wissen wir das alle. Aber was ist mit Ecuador, oder speziell Quito?

Manchmal riecht Quito ganz süßlich, nach frischen, exotischen Früchten und Blumen,die die Indigenas an ihren Straßenstände verkaufen. Dann atmet man extra tief ein und ist ein wenig betäubt vom Duft. Man malt sich aus, wie die einzelnen Mangos, Beeren, Bananen und Melonen schmecken und das Wasser läuft einem im Mund zusammen.

Manchmal riecht Quito auch nach Gras, nach frisch gemähten oder frisch gepflanztem grünen Gras. Mit Espadrilles läuft man in einem der zahlreichen Parks darüber und stellt fest, dass der Boden hier so weich wie Watte sein kann.

Oft riecht Quito nach Smog. Die viel zu vielen Autos haben zum Großteil keinen Katalysator, was zur Folge hat, dass anfahrende Busse dicke Wolken grauen Qualms in die Luft stoßen. Man möchte dann am liebsten einen Mundschutz haben, oder mindestens einmal kräftig husten, aber was nützt es? In solchen Momenten merkt man, dass der Boden auch so hart wie Beton sein kann. Vor allem, wenn man über Beton läuft.

Meistens riecht Quito nach Hund. Nach nassem Hund oder Hundekot. Oder einfach Hund. Beinah jeder Quitonese besitzt einen Vierbeiner und kümmert sich liebevoll um ihn - nicht. Ich war nie ein Hundehasse, aber diese Hunde können nichts als Bellen, und glaubt mir, wenn einer nachts anfängt, hören sie nicht mehr auf. Von Erziehung kann keine Rede sein, sie werden höchstens auf Wachhund gedrillt - ohne Ausnahme.
Die Straßenhunde machen einem erst Angst, schließlich gab es vor ein paar Jahren eine regelrechte Tollwutepidemie in Quito. Kommt man ihnen jedoch einmal näher, merkt man, dass sie völlig desorientiert sind und keinerlei Interesse an Menschen zeigen. Das ist irgendwie traurig, aber auch logisch.
Bleibt bloß noch zu hoffen, dass man nicht in einen der zahlreichen Hundehaufen auf den Gehwegen tritt und diesem Schicksal auch dem Tischnachbarn im Restaurant erspart bleibt, denn nichts riecht schlimmer, also Hundekot unterm Schuh...